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JUGENDSCHUTZWETTBEWERB

Die Idee hinter dem Wettbewerb...


 

„Feiern – aber sicher!“ - Alkoholprävention im Landkreis Roth

Alkoholprävention kann nur gelingen, wenn neben den Maßnahmen, die auf die Jugendlichen ausgerichtet sind, auch die Akteure, die eng mit der Zielgruppe zu tun haben, kompetent und darüber hinaus untereinander gut vernetzt sind. Bereits im Jahr 2006 wurde vom Kreisjugendring Roth (KJR) ein deutlicher Bedarf an Strategien gegen den Alkoholkonsum von Jugendlichen v.a. im öffentlichen Raum festgestellt. Diese Entwicklung spiegelte bundesweite Tendenzen wieder. Die Verantwortlichen vor Ort standen vor der Herausforderung, Vandalismus oder Aggressivität, oftmals ausgelöst durch übermäßigen Alkoholkonsum, entgegen zu wirken. Hierauf beschloss der Landkreis Roth unter Landrat Herbert Eckstein, das Thema Alkoholprävention noch intensiver in den Fokus zu nehmen.

„Wir haben früher doch auch bis zum Umfallen getrunken“

So oder ähnlich argumentieren leider immer noch vielfach Verantwortliche und drücken damit ihre mangelnde Einsicht und fehlendes Bewusstsein ihrer Vorbildfunktion aus, sobald Aktivitäten zu einem geregelten und sicheren Umgang mit Alkohol gefordert werden.

Maßnahmenbündel aus Verhältnis- und Verhaltensprävention

Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema hat der KJR, der im Auftrag des Landkreises Roth die gesamte Kinder- und Jugendarbeit einschließlich des Jugendschutzes mit dem Schwerpunkt Alkoholprävention ausführt, ein Maßnahmenbündel geschnürt, um den negativen Entwicklungen des Alkoholkonsums bei Jugendlichen gegen zu steuern..

Sensibilität und Akzeptanz von Jugendschutzfragen erhöhen

Einen hohen Stellenwert nimmt die Einbeziehung aller an der Thematik beteiligten Akteure ein: die Jugendlichen, Eltern, Jugendleiter, Vereinsmitglieder, Fest- und Kirchweihveranstalter, Schulen, Gastwirte bis hin zu Fahrlehrern und Gemeinden mit ihren politischen Gremien und Ordnungsbehörden. Ein offener und konstruktiver Dialog soll dazu beitragen, die Sensibilität und Akzeptanz von Jugendschutzfragen zu erhöhen und das Bewusstsein für die Bedeutung des Jugendschutzes zu stärken.

Worauf zielt das Projekt „BOB“ ab?

Um alkoholbedingte Verkehrsunfälle zu reduzieren, führte der KJR im Jahr 2011 das Projekt „BOB“ ein: der Fahrer einer Gruppe im Alter von 17 – 24 Jahren erhält vom teilnehmenden Gastwirt ein kostenloses antialkoholisches Getränk. Fahrlehrer erklärten sich bereit, Alkoholprävention im Unterricht in den Fokus zu nehmen und über die BOB-Aktion zu informieren (www.bobbayern.de oder www.kjr-roth.de).

Kompetenz und Vernetzung - Aktionen zur Alkoholprävention

Im vom Landrat initiierten Modellprojekt zur Alkoholprävention begleiten in interdisziplinärer Zusammenarbeit Führerscheinstelle, Suchtberatung, Polizei, Lehrer und KJR sechs Klassen über drei Jahre mit Inhalten wie dem „Alkoholpräventionsparcours“, „Alkohol und Führerschein?“ bis hin zu „Was tun, wenn mein Kumpel betrunken ist?“. Schulen können die Methode Geocaching „It´s partytime!“ buchen. Im Rahmen der „Juleica-Ausbildung“ beschäftigen sich aktive Jugendleiter als Multiplikatoren mit dem Thema Alkoholkonsum und Verhaltenstipps zum Umgang mit (riskant) konsumierenden Jugendlichen. Als Arbeitsgemeinschaft der organisierten Jugendverbände und Kinder- und Jugendgruppen im Landkreis bietet der KJR bei der Planung von Veranstaltungen mit Alkoholausschank ganzjährig Beratung und Begleitung bei der Umsetzung des Jugendschutzgesetzes zur Alkoholprävention an. Einmal jährlich werden die zuständigen kommunalen Mitarbeiter der 16 Gemeinden sowie die Beamten der Polizeiinspektionen zum Vernetzungs- und Informationstreffen ins Jugendamt eingeladen, um neben einem Erfahrungsaustausch auch einen landkreisweiten Konsens zu erreichen. Acht Gemeinden initiierten Arbeitskreise, die als ortseigene und individuelle Fachgremien für den Jugendschutz wirken. Einmal jährlich lädt der KJR zu einem Infoabend für Veranstalter „Veranstaltung geplant?!“ ein. Stichprobenartig werden auch Kontrollen bei Veranstaltungen vorgenommen und bei Fehlentwicklungen mit den Verantwortlichen Lösungen erarbeitet. Bei Testkäufen im Einzelhandel und an Tankstellen stand vorerst bewusst der aufklärende Gedanke im Vordergrund.

Feiern am besten ganz ohne „Schnaps“ – oder im abgetrennten Barbereich… 

Die Beschaffung und damit Verfügbarkeit von Alkohol bei Veranstaltungen einzuschränken, ist ein weiterer und nicht zu unterschätzender Beitrag. Fakt ist, dass die Abgabe von Branntwein bzw. branntweinhaltigen Getränken unabhängig vom Gesamtalkoholgehalt per Gesetz nur an Volljährige erfolgen und nur von diesen konsumiert werden darf. Diese unbestritten nicht einfache Vorgabe ist vom Veranstalter umzusetzen. In der Praxis hat sich der „abgetrennte Barbereich“ bewährt. Zur Verhinderung der Weitergabe darf „Schnaps“ ausschließlich in diesem Bereich getrunken werden. Auch wenn diese Regelung auf den ersten Blick aufwändig erscheint, sollte der Grundsatz gelten, dass sich ökonomische Interessen dem Jugendschutz unterordnen sollten!

Jugendschutz-Siegel für geprüfte Veranstaltungen

In der Praxis stellt sich die Realisierung der Alkoholprävention, die doch sehr geprägt ist von subjektiven Einstellungen, Erfahrungen und Interessen als eine anspruchsvolle, aber leider auch oft als eine relativ undankbare Aufgabe dar. Tradierte Verhaltensweisen wie „das war doch schon immer so!“, politische Interessen, fehlendes Bewusstsein oder gar die Erzielung eines möglichst hohen Umsatzes stehen oft einem effektiven Jugendschutz gegenüber.

Viel Überzeugungsarbeit ist hier notwendig; deshalb gilt der Dank für das bisher Erreichte insbesondere den Akteuren vor Ort, die sich mit viel Einsatz und Ausdauer zu Gunsten eines effektiven Jugendschutzes und somit zum Wohle der Jugend engagieren.

Im Jahr 2014 organisierte der KJR zum ersten Mal einen Wettbewerb "Feiern - aber sicher!", um die Bemühungen der Veranstalter aus Vereinen und Verbänden um den Jugendschutz mit einem "Siegel" und einem Zuschuss zu einem Helferessen zu belohnen. Jugendschutzrechtlich gut abgesicherte Veranstaltungen schützen die Jugend, zeigen sich verantwortlich, sichern die eigene Veranstaltung ab, bekommen positive Presse und können darüber hinaus Eltern eine Orientierung bieten.

                                                                                                                                  S. Magerl

    

 



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