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PRÄVENTION
Veröffentlicht am 10.06.2013

Umgang mit Smartphones auf Freizeiten - Aufsichtspflicht beachten


Handys sind fester Bestandteil der heutigen Kommunikationskultur. Laut aktueller JIM-Studie 2012 des MPFS besitzen 96% der Jugendlichen im Alter von 12-19 Jahren ein Handy - jeder zweite hat ein Smartphone (47%). Schnell ist unbedacht das peinliche Foto eines Freundes ins Internet hochgeladen. Das Bewusstsein über die möglichen Konsequenzen sowie verbotene Handlungen oder Inhalte ist Jugendlichen oft gar nicht bewusst. Als GruppenleiterIn oder BetreuerIn ist "wegschauen" oder "laufen lassen" gerade auch im Hinblick auf die Aufsichtspflicht keine Lösung. Geeignete pädagogische Maßnahmen können den Missbrauch von Handys, Smartphones & Co verhindern. Der KJR hat in Anlehnung an die "10 Tipps für LehrerInnen" (www.klicksafe.de) als Hilfestellung ein Merkblatt für BetreuerInnen von Freizeiten verfasst.

Grundsätzlich sind wir der Auffassung:

Das Handy kann in Notfällen äußerst nützlich sein, um z.B. Eltern schnell und unkompliziert zu informieren. Außerdem sind Handys, MP3-Player, Digicams & sonstige mobile Endgeräte aus der Lebenswelt der Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Wegschauen: keine Lösung!


Vorbeugen

1. Vorbild sein!

So wie du als Betreuer oder Betreuerin dich mit deinem Handy verhältst, lebst du den Kindern/Jugendlichen den Umgang vor. Verhalte dich so, wie du es von den Kindern/Jugendlichen auch erwartest.

2. Verhaltensvereinbarungen - Handyregeln

Gegebenenfalls ist es notwendig, zu Beginn der Freizeit oder auch währenddessen (z.B. im Rahmen eines konkreten Vorfalles) klare Regeln im Umgang mit dem Handy zu vereinbaren (z.B. „während Programm – Handy aus!“).

Ein generelles Handyverbot ist schwer zu kontrollieren und auch nur als kurzfristige Maßnahme sinnvoll, wenn es Probleme gibt.

3. Eltern einbeziehen!

Bereits im Elternanschreiben zur Freizeit eine klare Regelung hinsichtlich des Umganges mit dem Handy auf der jeweiligen Freizeit bekannt geben.


Aufklären

4. Medienkompetenz schulen – über das Handy sprechen

Mit den folgenden Tipps können Kinder und Jugendliche bei einer sicheren und verantwortungsvollen Handynutzung unterstützt werden.

 Umgang mit Bildern thematisieren

Jeder hat das „Recht am eigenen Bild“ (Kunsturheberrechtsgesetz §22)! Niemand anderes darf ein Bild, einen Film oder eine Tonaufnahme von dir machen oder sogar veröffentlichen (z.B. auf Facebook, Youtube etc.), wenn du das nicht möchtest.

Vor allem nicht heimlich im geschützten Raum wie Umkleide oder Toilette (Strafgesetzbuch §201a Abs. 1, sog. „Paparazzi-Paragraph“)! Dies wäre ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Abgebildeten und stellt eine Rechtsverletzung dar. Selbstverständlich tust du dies ebenso wenig. Verschicke grundsätzlich auch keine Bilder von dir, Freunden oder deiner Familie an Unbekannte – du weißt nicht, wo sie landen. Alle Bilder, die einmal im Netz sind, könnten kopiert, verändert und weiterverbreitet werden!

 Umgang mit Tonaufnahmen thematisieren

Äußerungen von Schülern, Lehrern oder Betreuern in Gruppenstunde oder Unterricht gelten als „nicht öffentlich gesprochenes Wort“. Das Mitschneiden und Verbreiten ist deshalb verboten (§ 201StGB).

 Schütze deine Daten!

Gib deine Handynummer, Adresse und Mailadresse nur Leuten, denen du vertraust. Behalte Passwörter unbedingt für dich. Lass dich von Fremden nicht ausfragen über deinen richtigen Namen, Wohnort oder Aufenthaltsort (z.B. im Chat).

 Vorsicht bei Dateien von unbekanntem Absender!

Es könnten schädliche Viren oder eklige Inhalte sein.

 Bluetooth aus

Eine offene Bluetooth-Schnittstelle kann einen Angriff von außen erleichtern. Diese Funktion nicht an öffentlichen Plätzen einschalten, besser nur an sicheren Orten. So kann dir niemand unerwünschte Dateien, Fotos oder Filme schicken, auch Hackerangriffe werden auf diese Weise erschwert, Sichtbarkeitsmodus auch aus.

 Tastensperre rein

Ungewollte Kosten können so verhindert werden, kein Anderer kann deine Einstellungen verändern, heimlich telefonieren oder z.B. den Ortungsdienst einschalten

 Cybermobbing – lass dir nichts gefallen!

Antworte nicht auf beleidigende Anrufe oder SMS. Hol dir Hilfe von einer Vertrauensperson (z.B. Eltern, Freunde, Jugendleiter, Lehrer…). Im Notfall fertige Beweise per „Screenshot“ an. Tu etwas gegen Mobbing, wenn das peinliche Bild eines anderen verbreitet wird, schick es nicht weiter!

 Raten, eine Vertrauensperson zu suchen

Bei Problemen, Fragen, aber vor allem, wenn du Anrufe oder SMS bekommst, die dich beleidigen oder bedrohen, ist Hilfe holen angesagt!


Grenzen setzen

5. Achtung Aufsichtspflicht!

 Porno- und Gewaltvideos

Bei Weitergabe und Verbreiten von Porno- oder Gewaltvideos macht man sich strafbar (Porno: §184ff StGB bzw. Gewalt: §131 StGB). Solche Inhalte sollten gelöscht werden und eine Vertrauensperson eingeschaltet werden, um die Weitergabe solcher Inhalte sofort zu stoppen. Die Herstellung und Verbreitung von Medien mit extremistischen Inhalten ist verboten (§§86, 86a+130 StGB)

 Bei der Überprüfung von Handys Privatsphäre respektieren

Handys der Kinder oder Jugendlichen sind als Privatsache zu betrachten, ähnlich wie die Reisetasche. Inhalte dürfen nur in absoluten Ausnahmefällen eingesehen werden, z. B. wenn Gefahr im Verzug ist. Man darf sich aber freiwillig alles zeigen lassen.

Sollte das Kind/ der Jugendliche die Inhalte nicht einsehen lassen, dann muss das Mobiltelefon eingezogen werden und nur den Eltern wieder ausgehändigt werden. Wenn ein Handy abgenommen werden muss, dann sollte es vor den Augen eines (besser noch 2) Betreuers ausgeschaltet werden.

6. Cyber-Mobbing ernst nehmen

Gruppendynamischen Prozesse zu beachten ist Aufgabe der Gruppenleitung. Cyber-Mobbing- Vorfälle keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen! Betroffene Kinder/Jugendliche sollen unterstützt werden und das Thema Mobbing bzw. Cybermobbing ggf. im Rahmen der Freizeit besprochen werden.


Weitere Informationen unter www.klicksafe.de oder www.handysektor.de

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